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Die Augustinerzeit

Aus der Augustinerzeit des Klosters liegen im Gegensatz zur Benediktinerära ausführliche Schriften und Dokumentationen vor, die einen interessanten Einblick in das Geschehen des 15. Jahrhunderts ermöglichen. Die Augustiner werden bekanntlich nach dem Ordensvater, dem heiligen Augustinus (Bischof u. Kirchenlehrer v. 354 -430) benannt. Augustinus gilt als der große Denker, der der Philosophie, Theologie, und dem ganzen geistigen Leben eine endgültige Richtung gegeben und die karitativsoziale Seite im Leben der Kirche stark mitgeprägt hat. 

Aus dieser Zeit von 1420 bis 1530 bezeugen Urkunden aus den Ostfriesischen Urkundenbüchern (OUB) Band 1 bis 3 sowie weitere Dokumente und Schriften aus dem Niedersächsischen Staatsarchiv in Aurich, deren Inhalte alle dem 15. und 16. Jh. entstammen, die weitere Geschichte dieses Klosters und seiner Vorwerke. Dazu kommen Berichte aus den Emder Jahrbüchern der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer, aus denen besonders die Beschreibung des wieder aufgefundenen Missale der Augustinerchorherren aus dem 15. Jahrhundert genannt werden muss. In diesem Messbuch, das 1963 von Pfarrer Spichal in Kopenhagen aufgefunden und übersetzt wurde, gibt es neben der Liturgie, weitere handschriftlichen Notizen zu dem Zeitraum von 1420 bis 1492, mit denen sich die Klostergeschichte noch besser deuten lässt.

Das Jahr 1420 brachte für die Klöster große Veränderungen

Nach den Worten des Missaleschreibers gab es zu diesem Zeitpunkt um Esens die Benediktiner-Klosterstandorte Oldekloster, Marienkamp und Pansath. Das Kloster Schoo wurde als heruntergekommen und verlassen beschrieben. Dieser Hinweis deutet daraufhin, dass tatsächlich nur dieses Ordenshaus jenes Kloster Scona Mora war, welches zwischenzeitlich von den Prämonstratensern bewohnt und bewirtschaftet, später aber aus nicht bekannten Gründen verlassen wurde. 

Zu dem Oldekloster gibt es um 1420 folgende Hinweise: "Der Hauptanziehungspunkt des Oldeklosters war ein wundertätiges Marienbild. Es zog viele Wallfahrer aus der ganzen Region an. Die Schenkungen der Pilger an Kleinodien, Geld und Landbesitz müssen außerordentlich zahlreich und sehr wertvoll gewesen sein. Unter dem Zustrom der Weltleute bildete sich auch eine Bruderschaft der seligen Jungfrau Maria, die jeweils um Pfingsten vier Tage lang feierte, wozu besonders viele Festpilger kamen". Dabei sammelte die Bruderschaft für den Bau einer neuen Kirche in Oldekloster „Kleinodien, Geld und anderes, welches sie unter der Obhut des Priors von Esens zu Ehren der Kirche darboten“. So konnte an dieser Stelle schon bald ein neuer Chor an der Kirche errichtet werden. Die Bruderschaft, die zuerst einen guten Anfang hatte, kam nach Berichten der Marienkamper Ordensbrüder jedoch „wegen Völlerei und anderer Übelstände zunehmend in unmenschliche und schimpfliche Verhältnisse“, was den Klosterbrüdern des Augustinerordens sehr missfiel. Dasselbe Urteil bildete sich auch wegen des Feilschens, unerlaubten Handelns und unmäßiger Trinkerei am Kirchweihfest dieser Kirche, wenn die Mönche die Produkte ihrer Acker- und Viehwirtschaft feilboten.

Entgegen einiger anders lautenden Berichten blieb das Oldekloster in der Augustinerzeit bis zur späteren Reformation ein Marienwallfahrtsort. Eine Verlagerung des Marienbildes nach Marienkamp hat es auch nicht gegeben. Der Hinweis zum Kirchneubau unterstreicht die Wichtigkeit dieses Klosters. Man kann auch auf ein beträchtliches Alter dieses Standortes schließen, weil  Kirchen aus dem 13. Jh. bereits mächtige Mauern aus Klosterformatsteinen besaßen, die Jahrhunderte überstehen konnten.

Marienkamp / Ezelingvelde hatte nach verschiedenen Hinweisen um 1420 im Gebäudebestand ebenfalls eine Kirche und Unterkünfte für die Mönche, die nach den Worten des Schreibers der Mönchschrift von 1450 auf die "Frisonen" (einheimische Benediktiner) zurückgingen. Es wird angenommen, dass der Konvent der Klöster zunächst im Oldekloster beheimatet war und erst später in das Kloster M. umsiedelte, als Esens in seiner Funktion als Vorort des Harlingerlandes immer größere Bedeutung erlangte.

Mit der Reformierung der Benediktinerstandorte wurde der Frenzwegener Prior Henricus Loeder beauftragt. Loeder setzte damals zunächst Arnold von Hüls als Rektor ein, der zuvor schon im Kloster Thabor bei Sneek (NL) gewirkt hatte. Die Augustiner besetzten zunächst Ezelingfelde und nannten dies Kloster in Anlehnung auf die Schutzpatronin, der heiligen Jungfrau Maria, „Marienkamp“ (Campus beate Marie). Der Benediktinerabt Heinrich hatte sich zu diesem Zeitpunkt mit seinen Mönchen und Konversen in das ca. 4 km westlich von Esens gelegene Kloster Pansath zurückgezogen. Über die Vorgänge mit denen er zur Aufgabe der klösterlichen Besitzungen bewegte wurde, steht in dem von Pastor Spichal übersetzten Missale von Kopenhagen: „Im Jahr des Herrn 1420 verzichtete Herr Heinrich, Abt zu Pannenzethen, auf sein Kloster und das ihm unterstehende Haus bei Esens mit allem zugehörigen Land zu Gunsten von Arnold Hüls, des ersten Rektors in Marienkamp aus dem Orden der regulierten Kanoniker des hl. Augustinus. Und so wurde das Kloster des hl. Benedikt in den Orden des hl. Augustinus umgewandelt. Damit verzichtete der vorgenannte Herr Heinrich auch auf das Kloster „Oldekloster“, wo die Jungfrau Maria damals ihre Gnade durch Heilungswunder schenkte, weswegen dort viele Geschenke, Kleinodien und Almosen dargebracht wurden. Das hat jener Abt bei unserer Ankunft alles fortgenommen, weswegen er auch ein schlimmes Ende genommen hat. Weil er sich in unser Haus in Esens (Marienkamp) nicht begeben wollte, entfernte er sich von uns und nach einigen Jahren ertrank er infolge eines traurigen Unfalls in der Elbe bei Hamburg. So möge es allen Plünderern der Jungfrau Maria ergehen. Wir sind auch darüber unterrichtet, dass einige spätere Plünderer des Bildes der Jungfrau Maria kein günstiger Ausgang beschieden war.“ 

Im vatikanischen Archiv zu Rom lagert unter Reg. Lat. 237 fol. 198v. Regest: Rep. Germ. 4 Sp. 1092 eine Urkunde die besagt, dass Papst Martin V. dem Abt Heinrich des Benediktinerklosters Marienkamp bei Esens einen Plenarablass erteilte. Diese zugleich älteste Urkunde zu M. belegt, dass die Bezeichnung "Abt zu Pannenzethen" nur eine zeitlich begrenzte Betitelung des Missaleschreibers war.

Die Augustinerzeit brachte dem Kloster neuen Aufschwung.

Neben dem vorgenannten Missale gibt es noch eine weitere Mönchsschrift, die um 1450 entstand. Dies war eine Lobschrift in lateinischer Sprache auf den 1. Prior des Klosters, Arnold von Creveld. In dieser leider nicht mehr vollständigen Schrift gibt es auch Anmerkungen zur damaligen ostfriesischen Geschichte. Zu dem Werk gehören zwei Hefte im Kleinformat, die auf Pergament  und auf Papier beschrieben wurden. Einige Passagen dieser Schrift, die im Nieders. Staatsarchiv in Aurich unter StAA Rep. 241, 
A 91 eingesehen werden kann, sind nicht mehr lesbar. Hieraus wurde ein Teil von Herrn Adolf Schucht aus Esens ins Deutsche übersetzt.

1424 wurde Arnold von Creveld Prior in Marienkamp. 

Schriftprobe aus der Mönchsschrift  von 1450Arnold fand bei seiner Einführung die ganze Klosteranlage mit Marienkamp, Pansath und Oldekloster in einem desolaten Zustand vor. Die Mönche bestellten die Felder des Häuptlings von Esens, der auch seine Schafe auf den Triften des Klosters weidete. Ein anderer Häuptling aus Norden wollte auf der Rossmühle Leinsamen zu Öl schlagen lassen. Außerdem gab es Grenzverletzungen zu Ungunsten des Klosters durch die Priester von Esens und Oldendorf. Prior Arnold schaffte mit großem Eifer Ordnung. Ihm wurde auch großes Verhandlungsgeschick nachgesagt, mit dem er die Rechte des Klosters wahrte und seine Besitztümer vermehrte. So kam z.B. Margens bei Esens als weiteres Vorwerk hinzu. Wurde seinem Handeln anfangs auch Mistrauen entgegengebracht, erwarb er sich durch seine aufrechte Art allmählich auch eine Freundschaft zum Häuptling Wibet von Esens. In seinem Kloster nahm er neben den Brüdern, die er mitgebracht hatte, vor allem "Ausländer" aus Coesfeld, Werlsloh, Emmerich, Leerdam, Lüttich usw. auf. Weil dies den Einheimischen missfiel, wurden zudem Laien aus der Landbevölkerung in seine Dienste mit aufgenommen. Mit Zustimmung des Konvents vergrößerte er die Klosteranlagen außerdem mit dem verlassenen und verfallenen Gut Schoo. Dafür musste er zum Missfallen einiger Konventualen andere Besitzungen, wie in Nordorf, abgeben.

In Marienkamp wurde 1424 die erste Windmühle in Ostfriesland erbaut.

Mit großem Eifer wurden nicht nur die Gebäude in Schoo instand gesetzt, es wurden auch weitere landwirtschaftliche Gebäude in den anderen Vorwerken errichtet. Im Kloster selbst wurden, "um der Kirche mehr Heiligkeit zu geben", ein neuer Chor errichtet und Friedhöfe angelegt, die durch den Suffraganbischof der Bremer Diözese, Dietrich von Konstanz, geweiht wurden.

Schließlich fügte Arnold der Rossmühle, die zum Mahlen von Öl und Getreide, Walken von Stoffen und Waschen von Bekleidung gebraucht wurde, eine andere Mühle außerhalb des Klosters hinzu. Dies war zu diesem Zeitpunkt die erste Windmühle in Ostfriesland, die an dem Ort Nr. 17 der Übersichtskarte errichtet wurde. Hierbei wird es sich um eine Bockwindmühle gehandelt haben, die es in dieser Bauweise schon im westlichen Europa gab. Es ist zu vermuten, dass seine weit gereisten Mönche davon Kenntnis hatten. Mit diesem Wissen und handwerklichem Geschick ist es ihnen offenbar gelungen, diesen Mühlentyp nachzubauen und in Gang zu setzen. Sie wurde 1670 noch an ihrem alten Standort von dem Niederländer J. B. Regemort vorgefunden und in seine damalige Karte von unserer Gegend eingezeichnet.

Um 1430 wollten die Benediktiner Marienkamp zurück erobern.

Der steigende Wohlstand des Klosters wurde bedroht. Die nach Mariental bei Norden vertriebenen Benediktiner-Mönche verbanden sich mit einigen Häuptlingen um die neuen Bewohner von M. zu vertreiben. Zuerst wollten sie dabei Pansath überfallen. Ein Angehöriger eines Bauern aus Utgast belauschte jedoch das Gespräch einiger Verschworenen und informierte seinen Herrn. Dieser warnte den Klosterherren, der zu dieser Zeit in Pansath weilte. 

Darauf suchte Arnold Schutz bei dem mächtigen Landeshäuptling Focko Ukena, der gerade die 
"tom Brocks" in der Schlacht "auf den wilden Äckern" bei Marienhafe besiegt hatte. Es heißt, dass dieser durch seine Einflussnahme auf einige der beteiligten Häuptlinge einen Überfall auf Marienkamp verhindern konnte.

1431 bewilligte Papst Eugen IV für das Kloster Marienkamp einen Ablass.

Im Vatikanischen Archiv in Rom liegt eine weitere Urkunde, Repoertorium Germanicum Pontificat Eugen IV. Bd. 1 S. 182, Nr. 1100, die belegt, dass Papst Eugen IV am 23. Mai 1431 dem Kloster M. einen Ablass bewilligte. 

Darin heißt es: Allen Gläubigen, die an bestimmten Festtagen die Kirche des Klosters Marienkamp bei Esens im Harlingerlande, in dem über 100 Mönche nach der Ordensregel leben, besuchen und die Bauarbeiten an der Kirche unterstützen, und denjenigen, die dasselbe 6 Tage vor und 8 Tagen nach den Festtagen tun, wird ein Ablass von 100 Tagen gewährt.

Daraufhin herrschte im Kloster selbst und in den Vorwerken rege Bautätigkeit, bei der sich ein Laienbruder mit dem Namen Friedrich, besonders hervor tat. Durch unterschiedliche Beschreibungen ist offen, ob es sich bei ihm um den Bruder von Prior Arnold oder des späteren Prioren Rembert ter List handelte. Friedrich kam als Stellmacher bzw. Zimmermann aus Frenswegen und hat in M. u.a. ein neues Dormitorium (Schlafsaal) für seine Ordensbrüder errichtet.

Der Esenser Chronist Hieronymus von Grest beschrieb den damaligen Zustand des Klosters wie folgt: 

Marienhof hat in Flor gestanden.
Der Regularen Arbeit war vorwärts gegangen.
36 Geistliche und 100 Brüder wurden gepriesen,
Gäste und Arme nicht abgewiesen.
Des Klosters Gebäude groß und klein,
Einer Stadt gleich waren sie anzusehen.

Arnold von Creveld und 13 seiner Mönche starben 1431 an der Pest.

Das unermüdliche Schaffen von Arnold wurde noch bevor er Pansath zu einem größeren Kloster ausbauen konnte, durch die grassierende Seuche beendet. Er starb wie sein Subprior Nicolaus und weitere Mönche an der Pest. Der Prior hinterließ den Ruf eines klugen aber auch bescheidenen und mäßigen Mannes, der selbst zum Generalkapital seines Ordens nur zu Fuß reiste. Wenn er sich zur Essenszeit außerhalb des Klosters verspätet hatte, gab er sich mit dem Getränk zufrieden, welches ihm die Klosterbrüder übrig gelassen hatten.

Seine Leiche wurde unter großer Anteilnahme, auch des Häuptlings von Esens, im Chor der Klosterkirche begraben. Nach ihm wurde Heinrich Bindemeister neuer Prior, der allerdings auch schon ein Jahr später verstarb.

Das Augustinerkloster Marienkamp entwickelte sich prächtig weiter.

Unter den weiteren Nachfolgern von Prior Arnold stieg Marienkamp zum bedeutendsten Kloster der Augustiner in Ostfriesland auf.  Dies hohe Ansehen belegen zahlreiche Schenkungen wie die durch Okko II tom Brok, der dem Kloster im April 1434 lt. Testament 14 Reinoldusgulden, 18 Goldgulden, 
12 leichte Gulden und eine Tonne Bier vermachte. 1438 schenkten Wibet sowie Ulrich von Greetsiel dem Stift ein Stück Ettlandes im Osten von Margens und als Wibet von Esens 1440 seinem Schwiegersohn Ulrich Cirksena die Herrschaft von Esens und Stedesdorf übergab, war der Prior des Klosters als Zeuge anwesend. Dazu kamen nach dem OUB Bd. 1 noch etliche weitere Schenkungen an Grundbesitz aus der Gegend von Margens. In dem neuen Chorraum der Klosterkirche fanden zudem einige Verstorbene der Esenser Häuptlingsfamilie ihre letzte Ruhestätte.

Auf Verlangen des Bischofs aus Bremen wurden Marienkamp bald weitere Klöster unterstellt. Dies waren im Jahre 1444 das Benediktinerkloster „Sylo“ aus Sielmönken  im Amt Greetsiel sowie 1450 das Prämonstratenser-Nonnenkloster „Hopsel“ in Hopels bei Friedeburg. Eine weitere Urkunde im Ostfr. UB Bd. 1 Nr. 1081 berichtet darüber, dass die letzten drei Nonnen das Prämonstratenserstiftes Coldinne bei Arle, von dem mit Marienkamp inkorporierten Kloster Sylo in eine Gebetsgemeinschaft aufgenommen wurden. Dazu wird vermutet, dass auch das Johanniterkloster in Burmönken von Marienkamp aus mit verwaltet wurde. Unterdessen wurden Rembert ter List und Johannes Lap als Prioren des Klosters genannt. Sie standen dem Konvent aber jeweils nur eine kurze Zeit vor. 

Sibet Attena von Dornum war ein Freund des Klosters Marienkamp.

Von 1451 bis 1458 und später noch einmal ab 1473 wurde Nikolaus von Calkar Vorsitzender im Priorat. Ihn verband eine Männerfreundschaft mit Sibet Attena von Dornum, der inzwischen Häuptling der Herrlichkeiten Esens und Stedesdorf geworden war. Zu den besonderen Verdiensten Sibet Attenas in seiner Regentschaft von 1447 bis 1473 gehörte sicherlich die Einigung des Harlingerlandes mit der Herrlichkeit Wittmund. Dies war aus Sorge darüber geschehen, dass dieses harlingerländer Teilgebiet unter einem andern Hoheitsanspruch fallen könnte, weil die Ehe des dortigen Häuptlings Tanno Kankena mit Wibets zweiter Tochter Gela ohne Kinder und rechtmäßige Erben geblieben war. Sibet hat dies Problem dadurch gelöst, dass er im Jahre 1452 die Wittmunder Burg in einem Handstreich einnahm und Tanno Kankena nach Dornum umsiedelte, wo er diesem einen Teil seiner eigenen Besitzungen übergab.

Im Jahre 1464 wurde Sibet bei der Verleihung der Grafenwürde an seinen Onkel Ulrich, zeitgleich zum Ritter geschlagen. Ihm wurde später auch vom Kaiser Friederich III, gestattet, „spanisch


Bild von Siebets Sarkophag in Esens in dem
auch noch weitere Familienmitglieder
beigesetzt wurden.

gestickte Kleider“ zu tragen, als er nach dem Tode seines Onkels Ulrich im Jahre 1566 vormundschaftlich für dessen Söhne die Geschicke Ostfrieslands bis zu seinem Tode leitete.

Als Sibet am 8. Nov. 1473 verstarb, ließ ihn sein ältester Sohn Hero in einem prachtvollen Sarkophag im Chor der St. Magnus Kirche zu Esens bestatten. Nach Sibets Testament sollten seine beiden Söhne Hero und Ulrich, aus den Ehen mit Onna von Stedesdorf und danach mit Margarete von Westerwolde, gleichberechtigt das Harlingerland regieren. Da diese noch nicht volljährig und der jüngere Ulrich beim Tode seines Vaters erst acht Jahre alt war, übernahmen dies zunächstVormünder. Dabei trat besonders Hero Mauritz Kankena in Erscheinung, der in dieser Zeit Häuptling von Friedeburg wurde.

Prior Nikolaus aus dem Kloster Marienkamp wurde zuvor im Jahr 1458 zum Probst von Langen erwählt und verließ unsere Gegend. Über seine Beziehungen zu Sibet in den Folgejahren gibt es keine Aufzeichnungen. Auffällig ist jedoch, dass er in dessen Todesjahr 1473 nach Marienkamp zurückkehrte. Es wurde darüber berichtet, dass der Esenser Häuptling jenem Nikolaus sein Pferd Töpke und 20 Goldgulden, Rheinl. schenkte bzw. vermachte. Außerdem soll dieser die Schlüssel zu einer Truhe mit Kleinodien und Geld von Sibet zur Aufbewahrung bekommen haben. 

Einige Marienkamper Schriften wurden inzwischen wiederentdeckt.

Da die Klosterbibliothek bei dem Brand von 1530 mit zerstört wurde, gibt es heute nur noch Schriften und Bücher, die damals außerhalb des Klosters waren. Dazu gehört das von Pastor Spichal aus Esens im Jahre 1960 wieder entdeckte, bisher älteste, handgeschriebene Buch dieser Gegend, welches in der Handschriftensammlung der Amsterdamer Universitätsbibliothek unter Nr. 1 G18. abgelegt ist. Dort kann die einmalige Rarität im Handschriftensaal eingesehen werden. Johannes von Leyerdam  (Leerdam bei Utrecht) schrieb es 1448 in Marienkamp für seinen liebsten Freund in Christus, Alard Symonis, einen ehrsamen und weisen Mann aus Amsterdam, unter dem Titel "Spiegel der Sünder." Diese Schrift gelangte 1866 die in den Besitz von Prof. Moll in Amsterdam, der sie der dortigen Universitätsbibliothek vermachte. Die Handschrift ist 10 x 14,5 cm groß und besteht aus 160 Blättern auf Pergament. Das Buch ist in einem tadellosen Zustand und  beschreibt in 12 Kapiteln in niederdeutscher Sprache eine christliche Lebenslehre. Es behandelt Beichte und Reue sowie Himmel, Hölle, Tod und

Gericht an verschiedenen Beispielen. Auf Seite 85 enthält es das wohl älteste kleine Gemälde des Harlingerlandes. Dies zeigt, wie Gott Moses die beiden Gesetzestafeln mit den 10 Geboten überreicht. Die Zeichnung verrät einen einfachen und schlichten Künstler. 

Im Jahre 1484 wurde ein Missale für Graf Gerd von Oldenburg angefertigt.

Als Johannes von Bentheim im Jahre 1484 zum Prior gewählt wurde, befand sich das Kloster auf seinem wirtschaftlichen Höhepunkt. Im Missale von Kopenhagen und anderen Unterlagen sind Hinweise zu finden, dass sich der klösterlich Landbesitz inzwischen bis in das Gronigerland und bis ins Emsland erstreckte. In seiner kurzen Amtszeit wurde die alte Kirche durch eine neue ersetzt, die an dem Chor aus den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts angebaut wurde. Prior Johannes muss sich aber auch Gedanken darüber gemacht haben, wie man den Fortbestand von Marienkamp für die Zukunft sichern könne. Denn im Oldenburger Urkundenbuch gibt es einen Eintrag: 

Anno domini 1484 ego frater Johannes Bentheim, prior canonicorum regularium monasterii prope Ezens partium Oestfrisie, hunc librum missalem feci. Ordinavi a nostris conscribi atque finiri eodem anno predicto ac presentari generoso et nobili militi domino Gherardo comiti Oldenburgensi monasterii ac bonorum nostrorum gratiosissimo defensori ac fautori, nihil inde repetendo nisi ut ipse cum nobili suorum heredum progenie defensores nostri et fautores semper  perseverent, apud Deum et homines corpore et animore et animo perpetuo felices, incolumes ac beati. Amen.

Dieser Eintrag besagt, dass Prior Johannes von Bentheim dem Grafen Gerd von Oldenburg, als Beschützer und Gönner seines Klosters, durch einen Mönchen ein Missalbuch anfertigen und überreichen ließ. Dies Missale wurde mit dem Bücherbestand der gräflichen Bibliothek im Vareler Schloss im Jahre 1751 Opfer eines Brandes. Als Prior Johannes 1488 verstarb, hinterließ er ein Kloster das nach den Worten des Missalescheibers an Reichtümern überquoll.

Es gab noch ein zweites Missale. Hierbei handelt es sich um das schon mehrfach zitierte Messbuch aus Kopenhagen. Dies seltene Exemplar aus dem 15. Jh. befindet sich in einem tadellosen Zustand unter „Thott 149“ in der dortigen königlichen Bibliothek.  Es wurde zum Anlass der Ausstellung zur "Friesischen Freiheit" im Jahr 2003 ausgeliehen und in der Johannes a Lasco - Bibliothek von Emden ausgestellt. Es ist sehr gut vorstellbar, dass es zur gleichen Zeit angefertigt und im Kloster verwahrt wurde. Im Jahre 1492 gelangte dies Missale zum Oldekloster. Danach wurden keine weiteren Marienkamp betreffenden Eintragungen mehr gemacht.  

In der Beschreibung zu dem in Emden ausgestellten Exemplar hieß es, dass diese Schrift um 1510 in den Besitz der ostfriesischen Grafen gelangt sei. Nach dem Tode des letzten Cirksena-Sprosses, Carl-Edzard im Jahre 1744, fiel es an Friederich d. Gr. von Preußen. Da dieser zunächst die zerrütteten Finanzen seiner neuen Provinz Ostfriesland in Ordnung bringen wollte, ließ er u.a, die gesamte fürstliche Bibliothek versteigern. Darunter befand sich das Missalbuch aus dem Kloster Marienkamp. Erworben hat es zunächst ein dänischer Graf, der es dann nach seinem Tode der königlichen Bibliothek in Kopenhagen vermachte. Das Buch setzt sich aus 80 Bögen Pergament zusammen, ist etwas größer als DIN A 4. Die lateinischen Buchstaben sind groß geschrieben. Ergänzt wird der Text durch farbige Bilder zu den hohen kirchlichen Festen. Im 18. Jahrhundert wurde das Buch neu in Leder eingebunden und mit dem fürstlichen Wappen versehen.

Weitere Schriften bei denen es um das Kloster Marienkamp ging

waren die Klageschrift der Häuptlinge Hero Omken v. Esens und Ulrich von Dornum aus dem Jahr 1503. Diese Handschrift liegt im Staatsarchiv in Aurich (StAA Rep. 4, B13c, N4) und ist 1877 im Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden (Emden Jb.) von Dr. Sauer beschrieben worden. Dazu gelangen Prof. Menso Folkerts in der Groninger Universitätsbibliothek zwei weitere Entdeckungen. Hierbei handelte es um die mathematische Berechnung eines Kreisbogens, die 1487 von Frater Everhardus  v. Warendorp in Marienkamp erarbeitet wurde und wesentlich einfacher gewesen sein soll, als die 1488 in Straßburg in Buchform herausgebrachte Berechnung des Kardinals Nicolaus von Cues. Außerdem fand er die "Groninger Handschrift Nr. 103, Blatt 232“, die auf Walter von Euchhausen aus Marienkamp zurückgeht. Diese wurde aber im westfriesischen Kloster Thabor bei Sneek verfasst, zu dem Marienkamp enge Beziehungen pflegte, weil beide Klöster einmal durch Arnold von Hüls reformiert worden waren.

Das Kloster M. geriet am Ende des 15. Jahrhunderts in die Streitigkeiten zwischen Graf Edzard von Ostfriesland und Hero Omken.

Die Fehden des Häuptlings Hero Omken aus Esens mit Graf Edzard von Ostfriesland nahmen zu. Dies blieb nicht ohne Auswirkungen auf das Kloster. So beklagte Hero zunächst, dass sich die Geistlichen als Kundschafter des Feindes missbrauchen ließen und diese bei ihren Streifzügen mit Lebensmittel versorgt und im Kloster auch bekocht hätten.

Im Kloster selbst herrschte eine große Verunsicherung. Der asketische Enthusiasmus war gewichen, ebenso die Kulturarbeit. Das Mönchtum versank angesichts dieser unsicheren Lage in Wohlleben und Stumpfheit. Hero Omken klagte die Mönche (es sollen vor allem Laienbrüder gewesen sein) des leichtfertigen Umgangs mit Frauen, der Rauflust und anderer Unordnung an. "Endlich schonten sie", wie er sagte "Gott und seine gebenedeite Mutter nicht." Sie brächten alles bewegliche Gut beiseite und verließen das Kloster in Scharen. Ferner beabsichtigen sie, demnächst einen Prior aus des Grafen Land zu wählen und das Kloster in dessen Land zu verlegen.

Hero Omken ließ 1501 die Mönche von Marienkamp einsperren.

Da die Mönche ihre Versprechen der Besserung der Zustände nicht einhielten, wurden sie zunächst in den Klosterräumlichkeiten eingesperrt. Hero befahl karge Kost, bis die verschleppten Güter wieder an Ort und Stelle seien. Daraufhin haben die Mönche nochmals Besserung versprochen. Der neu gewählte Prior, Jacobus Clivis, verpflichtete sich in einem Vertrag (StAA Rep. 1, 440), alles Verschleppte zurückzubringen, aber daraus wurde nichts. An dieser Urkunde befindet sich das leicht beschädigte, spitzovale Siegel des Klosters. Es zeigt unter einem Baldachin die Schutzpatronin Maria mit dem Kinde. Sie wird an beiden Seiten von knienden, betenden Engeln flankiert.

Es dauerte bis 1503, ehe die Streitigkeiten beseitigt wurden. Das Windesheimer Generalkapitel ernannte am 18. Februar zwei Kommissare, die Prioren von Thabor und Amyngum und beauftragte sie, die Angelegenheit zu regeln. Sie schlossen am 30. April mit Ulrich von Dornum und Meister Wichmann, einem Pfarrer aus Esens, der für Hero Omken gekommen war, einen Vergleich. Darin wurde das Gelöbnis des Ersatzes der weggebrachten Güter wiederholt und dem Häuptling die Treue der Mönche versichert sowie die Absetzung des Abtes festgesetzt. Der Abt Jacobus begab sich anschließend nach Sylmönken und wurde dort Prior; aber die Blütezeit des hiesigen Klosters war nun endgültig vorbei.  

Die Fehde zwischen Graf Edzard I. und Hero Omken eskalierte.

Der ostfriesische Graf Edzard I. befand sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Er konnte es nicht verwinden, dass das kleine Harlingerland immer noch nicht zu seinem Einflussgebiet gehörte. Mehrere Versuche hinsichtlich einer Streitschlichtung waren gescheitert. Von Dornum aus ließ er dann um 1511 das Holtriemer Land mit dem Dörfern Ochtersum, Barkholt, Holtgast und Utgast verwüsten und ausplündern. Von Grest beschrieb die Situation in seiner Reimchronik wie folgt:

Westerholt und Nenndorp wurden spoliiert,
Dazu hatte Graf Edzard die Dornumer stupfiert.
Knechte wurden ihnen zu Hilfe gesandt,
Zu Norden hatten sie gelegen und im Brokmerland.
Vier Dörfer täten sie schänden, plündern und sticken,
Sie dachten, es würde kein Hund danach blecken
.

Auch die Klöster und Vorwerke blieben von diesen Überfällen nicht verschont:

Des Grafen Knechte, an die Nacht gekommen,
Haben von Marienhof mitgenommen 210 Ochsen schön
3000 Gulden hätten sie wohlgetan
Dazu 19 Kühe mit 50 Schafen;
18 Schweine sind auch mitgelaufen.
Wer will die Kleinodien zählen,
Aus dem Hause der Gäste und aus den Zellen?
Der Schutzbrief, mit 200 Gulden erworben,
war nass geworden und verdorben!
63 entlaufene Ochsen und Kühe
Bekamen die Mönche wieder mit Mühe.
Die anderen Beeste sind fortgetrieben,
Als Besoldung sind sie den Knechten geblieben
.

In Funnix das Lager ward g´schlagen,
Was da war, tät man verwüsten oder verjagen:
60 Kühe, vom Margenser Vorwerk genommen,

sind nie wieder zurecht gekommen.
Danach das Kloster war aufgesucht,
Sie mochten wohl was dort wurde gekocht!
Drei Tage waren sie des Priors Gäste,
Sie aßen und tranken auf das beste.
Beim Abzug ging es nach ihrer Weisen,
Was nicht niet- und nagelfest war, ließen sie reisen!
180 Beste, groß und klein,
Wurden getrieben von Schoo allein,
Dazu aus dem Kloster 120 Schweine,
Fürwahr, ich begehr solche Gäste keine!

Die Reformation führte zum Untergang vieler Klöster

Die neue Glaubenslehre der Reformatoren Luther (1517 Thesenanschlag in Wittenberg) sowie Zwingli und Calvin (Reformation von Zürich 1523-25) verbreitete sich sehr schnell bei den freiheitsliebenden Friesen. Bereits um 1520 wurde davon berichtet, dass erste Predigten im lutherischen Sinne abgehalten wurden. Ulrich von Dornum hat 1526 mit dem Oldersumer Religionsgespräch einen Versuch unternommen, um das Nebeneinander der Katholiken und Protestanten zu regeln. Darüber verfasste er eine Dokumentation mit der Bezeichnung "Disputation zu Oldersum in der Grafschaft Ostfriesland gehalten kurz nach Viti zwischen D. Laurenz, Jacobit aus Groningen und Magister Jürgen Aportanus, evangelischer Pastor zu Emden, in Sachen des christlichen Glaubens".

Das ostfriesische Grafenhaus hatte aber andere Pläne. In der s.g. Säkularisation, die von 1525 bis 1560 betrieben wurde, zerstörten und enteigneten die Grafen Enno II. und Johann rund 30 Klöster samt ihrer Güter, von denen keines die Reformation überstand. Um dieses Unrecht zu vertuschen, wurden die Klosterarchive, die z.B. Hinweise auf klösterliche Besitzrechte enthalten konnten, komplett vernichtet (und somit auch umfassende geschichtliche Aufzeichnungen jener Zeit bis hin zum Mittelalter).

Belagerung von Esens durch Graf Enno II. von Ostfriesland

Nach dem Tode Edzards (1528) überfiel dessen Nachfolger, Graf Enno II., Wittmund und eroberte es. Dieser Erfolg verleitete ihn, Esens ebenfalls anzugreifen. Beim Kloster Marienkamp schlug er sein Lager auf. Im Norden der Stadt, bei Nordorf, errichtete er außerdem ein Blockhaus, um die Zufuhr für die belagerte Stadt von Norden her zu unterbinden. Dieses Werk war kaum zustande gebracht, als der rüstige und tapfere Junker eines Nachts bei einem Ausfall das gräfliche Volk aus der Schanze schlug. Am andern Morgen ließ Balthasar er den Belagerern zum Trotz, von der Spitze des Turmes  eine eroberte Fahne wehen.

Das Ende des Klosters Marienkamp im Jahre 1530

Als Graf Enno das Lager verlassen hatte um weitere Verstärkung zu besorgen, gelang Balthasar ein weiterer Ausfall auf das Kloster Marienkamp, in dem sich des Grafen Truppen verborgen hatten. Nachdem er diese vertrieben und die Mönche nach Pansath umgesiedelt hatte, eignete er sich die verbliebenen Güter des Klosters an und steckte es anschließend in Brand.

Spätere Funde belegen, dass bei dem Übergriff viele Menschen (Mönche und Söldner) ums Leben kamen. Darüber schreibt von Grest:

Des Klosters schöner Bau musst´ herunter.
Wie könnt´ solch´s nehmen Wunder?
Ein ewiges Blockhaus, den Feinden gelegen;
war für Graf Balthasar nicht zu verdrängen.
Die Mönche sind ungern fortgezogen;
Zu Pansath haben sie sich niedergeschlagen.

Als Graf Enno mit neuen Heerscharen zurückkam, versuchte er die Festung mehrere Male vergeblich zu stürmen. Nach einer längeren Belagerung musste Junker Baltha

 

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